Lachen – Teil 2

Wie versprochen, nun der Teil 2, in dem es um die Frage geht, warum es irgendwie meistens Frauen sind, die von Männern aufgefordert werden, mal zu lachen und was das mit Feminismus, Diskriminierung und Rollenbildern zu tun hat. 

Zum Einstieg hier ein Video, das ich sehr schön finde:

Ich habe das auch noch nie zu einem Mann gesagt, sondern dann eher die Frage gestellt, „Was ist los mit Dir?“. Ganz wichtig finde ich hier besonders den folgenden Punkt: „Bist gleich viel hübscher, wenn du lachst.“ Anscheinend ist es grundsätzlich wichtig, dass Frauen hübsch sind. Das möchte ich mir mal genauer anschauen, mit ein bisschen Theorie aus der Sicht der Sozialpsychologie. 

Die erste Annahme ist hier, Gender wird in einem sozialen Kontext konstruiert und stellt kein stabiles Merkmal einer Person dar (Hannover, 2010). Eine weitere Annahme ist, dass Menschen bestimmte Stereotypen der Geschlechter kennen und abgespeichert haben. Im Wesentlichen dient dieser Vorgang der Kategorisierung und Verminderung von Komplexität und somit letztlich der Vereinfachung der Realität (Genkova, 2010). 
 
Dabei gibt es deskriptive Stereotypen, also Annahmen darüber, wie sich Frauen und Männer unterscheiden, und präskriptive Stereotypen, also Vorstellungen darüber, wie sich Frauen und Männer unterscheiden bzw. verhalten sollten (Hannover, 2010). An unserem Beispiel veranschaulicht: Frauen sollten sich so verhalten, dass sie hübsch aussehen, indem sie beispielsweise viel lächeln.

Soziale Rollen definieren die Erwartungshaltung der Gruppe an das Verhalten der Rollenträger. Wie Normen, sollen auch diese Rollen helfen, Verhalten schon vorab einzuschätzen; und sofern sich die Mitglieder der Gruppe an ihre Rollen halten, führt dies normalerweise zu einer hohen Zufriedenheit (Aronson, Wilson, & Akert, 2014). Zurück zum Video: „Und ich bin nicht für das Wohlbefinden eines Mannes verantwortlich, indem ich lächle und dadurch hübscher aussehe. That`s the point.“ Und wenn wir nicht lächeln und dadurch nicht hübsch sind, stellt das ein Problem für manche Männer dar, da wir unserer zugesagten Rolle nicht nachkommen. Denn: 

Nach einem Modell, ursprünglich in den 1960er Jahren vorgeschlagen von Bakan, gibt es zwei Dimensionen, die kommunale und die agentische

Erstere enthält Eigenschaften, die auf das Zusammenspiel mit anderen abzielen, etwa Kooperation und Offenheit. Wenn diese Dimension Communion einem Geschlecht zugeordnet werden soll, wird es mit Weiblichkeit und weiter gedacht mit Wärme und Emotionalität assoziiert. 

Die zweite Dimension Agency betrifft Selbstverwirklichung und Isolation. Das zugeordnete Geschlecht ist Männlichkeitin Verbindung mit Kompetenz und Leistungsorientierung (Bierhoff, 2006). 

Ein wichtiger Aspekt in diesem Kontext ist die folgende Annahme: Kommunale Eigenschaften wie Wärme lösen eher Sympathie aus, agentische Eigenschaften fördern eher Respekt (Ebert & Steffens, 2013). 

Um geschlechtsbezogene Unterschiede im Verhalten zu erklären, wird oft auf lerntheoretische Konzeptionen verwiesen. Gender und dazu passendes Verhalten sind entweder Resultat von Belohnung und Bestrafung (Bekräftigungstheorie) oder werden durch Nachahmung gelernt (Theorie des sozialen Lernens) (Bischof-Köhler, 2010). Mit der Aufforderung zu lachen, könnte man also erklären, dass hier von Männern eine korrigierende Aufgabe übernommen wird, die Frau daran zu erinnern, sich doch bitte im Sinne der Gemeinschaft ihrer Rolle konform zu verhalten. Hui…

Warum das für Frauen problematisch ist, zeigt sich auch im beruflichen Kontext:

Hier heißt es: „Ernst dreinblickende Frauen haben hingegen das Problem, als unnahbar oder arrogant abgestempelt zu werden, also wählen sie häufiger die positive, aber harmlos wirkende Variante.“ 

Die korrigierende Maßnahme, eine Frau durch Konformitätsdruck zu einer Verhaltensänderung zu bringen, basiert auf einer Bewertung zum Nachteil der Frau in dieser Situation und das ist schlichtweg Diskrimierung. Das ist ein großes, böses Wort, trifft hier aber auf subtile und dadurch so gefährliche Art und Weise zu. Es ist ein unschuldig daherkommender und wirklich bestimmt oftmals nur gut gemeinter Vorgang. Und dennoch ist es ein Eingreifen, welches Stereotypen weiterhin unreflektiert bekräftigt. Und: 

Was können wir also tun, um in Zukunft sensibler miteinander umzugehen?

Ich habe es bisher selten geschafft, in der Situation für mich adäquat zu reagieren. Ich würde gerne einen feministischen Monolog, wie oben beschrieben führen. Ich bin aber leider nicht so schlagfertig. Darum schreibe ich einen Blog darüber, in dem ich mich diesem und anderen Themen in Ruhe widmen kann. Fraglich ist auch, ob der Monolog bei meinem Gegenüber überhaupt emotional andocken und zur gewünschten Einsicht und zukünftigen Verhaltensanpassung führen würde. Ich kann mir aber in Zukunft folgende Reaktionen vorstellen:  

  1. „Lach doch selber!“ – Spiegelung
  2. „Heul doch mal!“ –  Umkehrung
  3. „Warum? – Konfrontation (Hab ich schon mal geschafft. Bekam aber keine Antwort, denn er ist darauf hin abgehauen.)

Nochmal zurück zum Video: „Wenn ich als Frau etwas zu lachen habe oder lachen will, keine Angst, dann werde ich das tun. Aber ich brauche niemanden, der mir das sagt.“ Es gibt aber ein paar Alternativen, die ich hier vorschlagen möchte:

  • „Du siehst sauer/ angewidert/ ängstlich/ traurig/ bedrückt aus. Kann ich etwas für Dich tun?“ Wenn Du jemanden zum Reden oder einfach nur zuhören brauchst, ich bin da.“ 
  • Reflektiere, warum der Gesichtsausdruck überhaupt etwas mit Dir macht und ob es die Beziehung zu Deinem Gegenüber hergibt, dass Du hier eingreifst. 
  • Wenn Du ein Mann bist und die, die da nicht lächelt eine Frau ist, reflektiere erstmal, ob es etwas mit Deiner Rollenerwartung Frauen gegenüber zu tun haben könnte, bevor Du sie aufforderst zu lächeln. 

Was für Erfahrungen habt ihr gemacht? Was für Ideen habt ihr dazu? Was ist Eure Reaktion zu meinem Beitrag, liebe Mensch*innen? Ich freue mich auf Eure Kommentare dazu. 

In diesem Sinne, „Nehmt es doch mal ernst“ und seid reflektiert miteinander. 

Eure ernste Theresa

Literaturverzeichnis

Aronson, E., Wilson, T., & Akert, R. (2014). Sozialpsychologie. Hallbergmoos: Person Deutschland GmbH.

Bierhoff, H.-W. (2006). Sozialpsychologie. Ein Lehrbuch. Stuttagrt: W. Kohlhammer.

Bischof-Köhler, D. (2010). Entwicklungspsychologie, Kulturwissenschaften, Biopsychologie. Evolutionäre Grundlagen geschlechtstypischen Verhaltens. In G. Steins (Hrsg.), Handbuch Psychologie und Geschlechterforschung (S. 153-172). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Ebert, I. D., & Steffens, M. C. (2013). Positionsartikel zum Forschungsprogramm Explizite und implizite geschlechterbezogene Kognitionen heute. GENDER, S. 26-40.

Genkova. (2010). Frau sein – eine Herausforderung? – Gender Mainstream und Politische Psychologie. In G. Steins (Hrsg.), Handbuch Psychologie und Geschlechterforschung (S. 289-302). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Hannover, B. (2010). Sozialpsychologie und Geschlecht: Die Entstehung von Geschlechtsunterschieden aus der Sicht der Selbstpsychologie. In G. Steins (Hrsg.), Handbuch Psychologie und Geschlechterforschung (S. 27-42). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.